HGÜ-Trassen

Was sind die HGÜ-Trassen in Ostbayern?

Die HGÜ-Trassen sind große HochspannungsGleichstromÜbertragungstrassen, welche Strom aus dem Nordosten nach Bayern transportieren sollen. Hauptbegriff in unserer Region ist der harmlos klingende Name SüdOstLink.

Hier sind die aktuellen geplanten Trassenverläufe in unserer Region:

Quelle: Tennet am 19.12.2019

Diese Trassen stellen entweder weit über 50 m breite Schneisen in der Landschaft oder massive unterirdische Kabelstränge dar. Hierbei handelt es sich um kein klassisches Verteilnetz, sondern viel mehr um einen starren Tunnel ohne Ausfahrten, so dass die Trasse weniger der Aufnahme und Verteilung von Strom in den Regionen (wie von PV-Anlagen, Windrädern, etc.) dient, sondern den Strom von ihrem Beginn im Nordosten zu ihrem Ende bringt. Nur an den Netzverknüfungspunkten ist ein Zugang oder Ausgang möglich.

Geplant wurde die Notwendigkeit ursprünglich noch vor Fukushima und dem damit verbundenen Ausstieg aus der Atomenergie, so dass man sie nicht als deswegen notwendiges Stabilitätsinstrument sehen kann. Offizielle Position ist, dass diese Windstrom aus dem Norden in den Süden bringen sollen, wobei unterstellt wird, Bayern könne kaum erneuerbare Energien zuverlässig ausbauen. Verantwortlich hierfür ist der Netzentwicklungsplan von 2010.

Betreiber sind in unserer Region die Firmen 50Hertz und Tennet. Diese bekommen eine garantierte Rendite auf ihre Investitionen, welche auf den Strompreis umgelegt wird.

Kritikpunkte

Überlandleitungen

Überlandleitungen sind wegen der Größe der Strommasten zum einen landschaftlich wenig reizvoll, zum anderen müssen große Schneisen in Wälder und Landschaften geschlagen werden. Dagegen gibt es verständlicherweise große Widerstände.

Widerspruch zur dezentralen Energiewende

Es wird propagiert, die HGÜ-Trassen würden der Energiewende dienen. Dieses kann man in Zweifel ziehen. Zum einen muss man sich die Frage gefallen lassen, wo all der überschüssige Strom aus dem Norden herkommen soll (wenn man unterstellt, dass dort Strom verbraucht und zukünftig auch mehr benötigt wird). Auch den Strom aus dem Ausland sowie bestehenden Kohlekraftwerken sollte man hier einer genaueren Betrachtung unterziehen und sich fragen, ob nicht schlussendlich ausländischer Atomstrom und schmutziger Kohlestrom durch genau diese Leitungen fließen sollen. Eine Energiewende mit erneuerbaren Energien war ursprünglich dezentral ausgelegt und braucht eigentlich regionale Verteilnetze für kleine regionale Erzeuger, keine großen Infrastrukturen für zentrale Stromtransporte durch große Erzeuger. An diesem Punkt erscheinen die HGÜ-Trassen in ihrer Argumentation wenig schlüssig.

Selbst das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sieht wenige erneuerbare Energien in dieser Leitung, sondern viel mehr eine Zunahme von Braunkohlestrom. Ähnlich sieht das der renommierte Wirtschaftsforscher Lorenz Jarass.

Kosten

Die Kosten sowohl der gigantischen Freileitungen als auch der unterirdischen Trassen spielen für die Erbauer eingedenk eines ungedeckelten garantierten Volumens und einer jetzt mindestens garantierten 6,9%igen Verzinsung (egal, wie hoch der Betrag schlussendlich wird) mutmaßlich keine Rolle. Aus wirtschaftlicher Sicht sind bei einer derartigen Gesetzeslage keinerlei Anreize gesetzt sparsam zu haushalten. Je mehr Geld man ausgibt, umso mehr verdient man garantiert. Das ist ein massiver Kritikpunkt an den Planungen zu den HGÜ-Trassen in Ostbayern. Jeder hätte wohl gerne so einen Deal.

Oder sind Sie etwa Stromverbraucher und dürfen das am Ende bezahlen?

Zementierung von oligopolen Wirtschaftsstrukturen

Die HGÜ-Trassen dienen nicht der breiten Bevölkerung, sondern wenigen Konzernen, deren Einkommen dauerhaft gesichert werden. Dieses kann man gut an folgenden Passagen erkennen:

„Genehmigung des Szenariorahmens (2025) für die Netzentwicklungsplanung und Offshore-Netzentwicklungsplanung gem. § 12a Abs. 3 EnWG“; BNA; Berlin 19.12.2014 Seite 73:

„Es lassen sich für den vorliegenden Sachverhalt zwei zentrale Aussagen ableiten: Eine verbrauchsnahe Erzeugung hat erst einen nennenswerten Effekt auf den Netzausbaubedarf, wenn auch konventionelle Kraftwerke verbrauchsnah verortet wären oder auf Netzstabilität sichernde Maßnahmen verzichtet würde. Eine verbrauchsnahe Erzeugung erfordert eine gezielte politische Steuerung der Standortentscheidung. Dies steht einem auf Marktsignalen basierten Ansatz entgegen. Eine derartige Steuerung des Kraftwerkszubaus ist nicht Aufgabe der Bundesnetzagentur.“

[…]

„Der Gesetzgeber hat sich diesen Ansatz nicht zu Eigen gemacht. Er hat auf jegliche Förderung verbrauchsnaher erneuerbarer Erzeugung verzichtet. Allokationssignale zur Ansiedlung erneuerbarer Erzeugung an bestimmten Orten finden sich im neuen EEG nicht. Dies hat die Bundesnetzagentur zu respektieren. … Sie hat nicht die Aufgabe, den Gesetzgeber zu korrigieren. … So lange es keine Anzeichen für eine gezielte verbrauchsnahe Ansiedlung von EE-Anlagen gibt, …, wird sich die Bundesnetzagentur auf die bisherigen … Erwägungen …beschränken. Aus diesen Gründen wird die Bundesnetzagentur der Forderung nicht nachkommen, eine verbrauchsnahe Erzeugung in den Szenarien stärker zu berücksichtigen.

Dieses ist zwar sperrig formuliert, aber es zeigt deutlich, dass die Bundesregierungen seit 2010 keine dezentralen erneuerbare Energien wünschen. Es bleiben lediglich zentrale, von großen Konzernen betriebene Offshore-Kraftwerke. In der Logik der Bundesregierungen braucht man dann natürlich riesige Trassen um deren Strom nach Süden transportieren zu können.

Wenn Sie sich die Besucherliste der Kanzlerin und der Spendenliste der CDU&CSU ansehen, rundet sich das Bild ab. Auch Rezo thematisiert dieses in seiner „Zerstörung der CDU“.

Unsere Position als grüner Kreisverband

Wir als KV Neustadt sind der Ansicht, dass die geplanten Trassen nicht notwendige Eingriffe in die Umwelt darstellen und langfristig der Energiewende schaden und nicht nützen. Die Kosten werden auf die Verbraucher abgewälzt, unsere Natur wird geschädigt und es partizipieren nicht die Bürger an der Energiewende, sondern wenige. Deshalb lehnen wir sie ab. Fairerweise müssen wir sagen, dass wir damit leider momentan auch gegen unseren eigenen Landesvorstand und Bundesvorstand stehen, welche sagen, wir seien zu spät mit der Energiewende und deshalb müsse es jetzt sein. Wir sehen das anders und wollen lieber so schnell wie möglich hier die erneuerbaren Energien ausbauen und damit die Trassen überflüssig machen.

In allen Sitzungen des Kreistages und der Ausschüsse, in denen die Stromtrassen Thema waren, haben wir als grüner Kreisverband unseren Standpunkt deutlich gemacht, unsere Ablehung der Stromtrassen ausführlich begründet und entsprechend abgestimmt.

Wir waren und sind gegen die Mitgliedschaft des Landkreises im sogenannten „Hamelner Bündnis“, welches ein Gremium außerhalb der gewählten Organe ist, und nahezu unkontrolliert mit den Trassenplanern verhandeln soll. Wir lehnen dies als intransparent ab.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Südostlink

https://www.netzentwicklungsplan.de/de/netzentwicklungsplaene

https://www.50hertz.com/de/Netz/Netzentwicklung/ProjekteanLand/SuedOstLink/

https://www.tennet.eu/de/unser-netz/onshore-projekte-deutschland/suedostlink/

http://www.amprion.net

http://www.transnetbw.de

Interessenverband Bürgerinitiative Neustadt-Weiden:

https://newgegendietrasse.de